Weitere Informationen
Nach der Übertragung der sächsischen Kurwürde von den Askaniern auf die Wettiner 1423 wurde der Name »Sachsen« immer mehr auf den mitteldeutschen Raum übertragen und beschränkt. Mit dem, was die Überlieferung von den alten Sachsen berichtete, hatte die von der neuen Dynastie geschaffene Wirklichkeit nur noch wenig zu tun. Doch die Verbindung mit den sächsischen Wurzeln blieb ein wichtiges Element der gelehrten Diskussion und der dynastischen Legitimationsbestrebungen. Anhand historischer Karten und der Chroniken von Cyriacus Spangenberg, Heinrich Bünting und Johannes Pomarius untersucht das Buch, wie durch Übernahme, Auswahl und Interpretation der Überlieferung ein neues Bild der Sachsen konstruiert wurde und welche Vorstellungen sich damit verbanden.
Der Wandel des Sachsennamens von dem deutschen Norden in die Mark Meißen wird oft als ein Prozess langer Dauer bezeichnet. Einen entscheidenden Wendepunkt erreichte dieser Prozess um 1500, als der Widerspruch zwischen der »Rede über Sachsen« und der politisch-dynastischen Wirklichkeit besonders stark wurde. Das Übertragen der Kurwürde von den Askaniern an die meißnischen Wettiner 1423, die Reichskreisreform 1501 sowie die im Laufe der Reformation veränderten dynastischen Landschaften haben dazu beigetragen, dass der Begriff »Sachsen« an seiner Eindeutigkeit verlor und immer mehr mit dem mitteldeutschen Raum in Verbindung gebracht wurde. Das vorliegende Buch zeigt, wie die historiographischen und kartographischen Texte des 16. Jahrhunderts zu dieser Namenwandlung beitrugen, indem sie bei der Bezeichnung der Regionen und Leute als »Sachsen« die territorialen und politischen Ansprüche unterschiedlicher Gruppen verfolgten. Anhand von den Chroniken von Cyriacus Spangenberg, Heinrich Bünting und Johannes Pomarius werden solche Aspekte der frühneuzeitlichen Deutung des Sachsennamens wie sächsische Frühgeschichte, die dynastische Ebene des Sachsenbegriffes sowie die konfessionelle Konnotation des Sachsennamens analysiert.